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Konzentriert und leichtfüssig: Der St.Galler Bach-Chor führt Händels berühmten «Messias» mit feiner Eleganz auf

Ein grosses, anspruchsvolles Werk stand am Samstag in der Laurenzenkirche auf dem Programm: Händels «Messias» in englischer Originalsprache. Das Oratorium geriet unter der Leitung von Alexandra Schmid zu einem überzeugenden Gesamtpaket in kurzweiliger historischer Aufführungspraxis.

Schlankes, einfühlsames, aber eindringliches Dirigat: Alexandra Schmid leitet seit letztem Jahr den St.Galler Bach-Chor. (Bild: Andrea Tina Stalder)

 

Spätestens, wenn man Händels «Messias» wieder einmal live gehört hat, versteht man, warum Händel Beethovens Lieblingskomponist war. Unvorstellbar kurze Zeit, nur 23 Tage, brauchte der Barockkomponist für sein Oratorium, einem der ganz grossen Höhepunkte in der Geschichte der geistlichen Musik. Der St.Galler Bach-Chor hat sich das lange, anspruchsvolle Werk vorgenommen. Mit Erfolg.

Alexandra Schmid, seit letztem Jahr Dirigentin des Bach-Chores, vermochte den grossen Bogen über die zweistündige und stets lebendig wirkende Aufführung zu spannen. Ihr Dirigat hat etwas Schlankes, Einfühlsames und doch immer Eindringliches. Alexandra Schmid präsentierte einen leichtfüssigen, auch in den grossen Szenen nie massigen Händel, immer angenehm fliessend und gut schwingend.

Schon die erste Chorpartie des ersten Teils geriet voller Leuchten, die Einsätze wirkten souverän. Ein Eindruck, der sich bis zum Schluss, dem ergreifenden und kompakt gesungenen Amen bestätigte. Der St.Galler Bach-Chor wirkte souverän, stimmlich konzentriert und sicher intonierend. Auch schnelle Abschnitte klangen fein abgefedert, und in den Chorstellen, in denen kompliziertere Fugen zu singen waren, wirkte der Chorklang feinfarbig und filigran.

Gut vorbereitet, voll stimmlicher Konzentration und mit sicherer Intonation: Der St.Galler Bach-Chor. (Bild: Andrea Tina Stalder)

Aufmerksames Barock-Ensemble

Mit dem Bodensee Barock Orchester stand in diesem in der englischen Originalsprache gesungenen Händel ein Ensemble zur Verfügung, das engagiert und konzentriert musizierte, sich aufmerksam mit den Gesangssolistinnen und -solisten verzahnte und mit einer professionellen historischen Aufführungspraxis aufwartete.

Jeder kennt das berühmte «Halleluja» am Ende des zweiten Teils dieses grossen Werks, aber bei dieser sensiblen Gesamtdarstellung des Werks in der voll besetzten Laurenzenkirche hatte jede der vielen Arien, hatten alle Rezitative und Accompagnati eine feine Farbe und eine Ausstrahlung, die das konzentrierte Zuhören zu einem echten und unablässigen Genuss machte.

Zum überzeugenden Gesamteindruck dieser Interpretation trugen auch die gut ausgewählten Solistinnen und Solisten bei, die mit ihren Soli diese feingliedrige, durchlässige Darstellung des «Messias» unterstützten. Wunderbar feinsinnig etwa das erste Sopran-Rezitativ, in dem Marie-Sophie Pollak das wiegend Bukolische im Orchester feinfühlig weitertrug.

Manuel Walser, der gebürtige Teufner, nahm mit seinem Bass voll innerer Ergriffenheit und gesanglich genau dosierter Emotion ein, etwa in seiner rassig dahineilenden Schlussarie, aber auch in seiner Arie über die Schatten des Todes, in der die Bassstimme etwas Fahles, Erdenfernes ausdrückte.

Immer wieder gern gesehener Gast in der alten Heimat: Der aus Teufen gebürtige Bass Manuel Walser punktete mit Partien voll innerer Ergriffenheit. (Bild: Andrea Tina Stalder)

Glockenreiner Countertenor

Einen intensiven Anteil an der spannenden Darstellung des «Messias» hatte auch der Countertenor Benno Schachtner mit glockenreinem, nie forciertem, immer die klare melodische Linie haltendem Alt. Gerne denkt man an viele seiner bisweilen auch zärtlichen Farben zurück, aber auch an gelungene Dialoge mit dem Orchester, etwa zu Beginn des zweiten Teils.

Schlank und facettenreich auch der Tenor Raphael Höhn, in der Region auch als Sänger bei der Bach-Stiftung bekannt, der mit einer eleganten Eingangsarie genauso überzeugte wie mit der Sanftheit und dem verhaltenen Schmerz der alttestamentarischen Texte im zweiten Teil.

Kurzweilig war dieser «Messias» und von einer bisweilen tänzelnden Leichtigkeit, die auch die gewichtigeren Teile des Stückes immer transparent und filigran erscheinen liessen. Dem Bach-Chor ist ein kompakter, spannender «Messias» gelungen, mit viel Konzentration und Hingabe.

Martin Preisser, St. Galler Tagblatt, 09.11.2025

 

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